Bei uns darf nicht das Licht ausgehen

Bei uns darf nicht das Licht ausgehen
04.01.2021

Die Chirurgische Hauptabteilung in Gerolstein ist zum Jahresende geschlossen worden. 

Gerolstein Zum 31. Dezember 2020 ist die Hauptabteilung Chirurgie des Marienhaus Klinikums Eifel St. Elisabeth in Gerolstein geschlossen worden. So steht es in einem Brief der Geschäftsführung und des Direktoriums an die Mitarbeiter. Weiter heißt es dort, das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Mainz sei vorab über diesen Schritt informiert worden.

Zum einen kritisieren Schnieder, Schildgen und Lenzen die angekündigte Schließung, insbesondere so kurz vor Weihnachten und auch nur etwa 10 Tage vor dem endgültigen Aus als einen Schlag ins Gesicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und aller Menschen des Gerolsteiner Landes sowie im gesamten Einzugsgebiet des Krankenhauses. Die Zentralisierung der Leistungen mit dem im Verbund stehenden Krankenhaus Bitburg zeige einmal mehr, wie gefährdet die klinische Versorgung der Menschen in unserer Heimat sei.

Andererseits müsse jetzt schnell Klarheit geschaffen werden, seit wann die Landesregierung bzw. das SPD-geführte Gesundheitsministerium von der Schließung wussten und ob bzw. in wieweit aus dortiger Sicht die klinische Versorgung der Menschen im Gerolsteiner Land durch die Schließung gefährdet sei. Welche Planungen haben bereits im Vorfeld der Schließung bestanden? Auch muss aus Mainz zeitnah mitgeteilt werden, welche Pläne seit Kenntnis der Schließung erarbeitet wurden, um die Schließung weiterer Bereiche zu verhindern. Es dürfe jetzt nicht dazu kommen, dass kurz- oder mittelfristig auch die stationäre Innere Abteilung ebenfalls wegfalle. Hier sei die SPD-Gesundheitsministerin jetzt gefordert. Denn würde auch diese stationäre Abteilung wegbrechen, wären nahezu 5.000 Menschen des Gerolsteiner Landes nicht mehr klinisch grundversorgt, da die Fahrzeit zum nächsten Grundversorger mehr als 30 min. betragen würde.

Die Gründe für die Schließungsentscheidung werden vor allem auch in einer verfehlten Gesundheitspolitik der SPD-geführten Landesregierung gesehen. Zum einen fehle es in Rheinland-Pfalz an der notwendigen Krankenhausinvestitionsförderung, für die einzig das Land zuständig sei. Genauso zuständig, wie für die Krankenhausplanung, die ganz offensichtlich vorn und hinten nicht passe. Zum anderen bilde das Land zu wenige Ärzte aus. Der Fachärztemangel sei seit Jahren bekannt. Schnieder, Schildgen und Lenzen fassen zusammen: „Wer Ärzte will, muss Ärzte ausbilden. Wer ordentlich ausgestattete Krankenhäuser will, muss die Investitionsförderung deutlich anheben.“

Darüber hinaus müsse es jetzt eine Kraftanstrengung für den unbefristeten Erhalt sowie die Sicherstellung des Notarztstandortes in Gerolstein geben. Dazu zähle auch, dass zeitnah der Krankentransportwagen (KTW) am Standort Gerolstein 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche einsatzbereit sei. Denn durch den Transport von chirurgischen Patienten nach Daun, Prüm oder Bitburg, dürfe es nicht zu einer insbesondere nächtlichen Inanspruchnahme des Rettungstransportwagens (RTW) kommen, der dann nicht mehr für gleichzeitige Notfälle zur Verfügung stünde.

Schnieder, Schildgen und Lenzen sehen in der fortschreitenden Zentralisierung im Gesundheitswesen ein großes Problem gerade für den ländlichen Raum. Dies habe sich in den letzten Jahren besonders deutlich in den zahlreichen Schließungen im ganzen Land gezeigt. „Die vorhandenen Defizite müssen dringend beseitigt werden. Die Bürger in der Vulkaneifel fordern auch bei der Gesundheitsversorgung gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Das Land darf nicht weiter tatenlos zusehen, wie bei uns die Lichter ausgehen“, so die drei CDU-Vorsitzenden abschließend.

Die Erste Beigeordnete der Stadt Gerolstein, Irmgard Dunkel, stellt aus ihrer Kenntnis und Besorgnis fest:

Als besonders ärgerlich empfindet die Erste Stadtbeigeordnete Irmgard Dunkel das Verhalten der Landesregierung, die für die Gesundheitsversorgung als Teil der Daseinsvorsorge zuständig ist bzw. des zuständigen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD): „In mehreren Resolutionen wurde von der Verbandsgemeinde Gerolsteiner Land und den beiden Städten Gerolstein und Hillesheim auf die drohende Gefährdung der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung im Mittelzentrum und Mittelbereich Gerolstein hingewiesen und Unterstützung eingefordert, und das bereits seit März 2020. Selbst als das Klinikum Bitburg bereits in der Presse (03.07.2020 und 03.08.2020) auf die vom Land geförderten Großprojekte am Krankenhausstandort Bitburg (Neubau von 3 OPs, in denen lt. Pressemitteilung des Marienhausklinikums Eifel „statt bisher acht … nun 10 Stunden in jedem Saal operiert werden“) und der damit verbundenen künftigen „nur noch tageschirurgischen Eingriffe“ am St. Elisabeth-Krankenhaus Gerolstein hinwies, sah das Ministerium offensichtlich keinen Grund zum Handeln. In einer Antwort des MSAGD vom 26.08.2020 hat Ministerin Bätzing-Lichtenthäler (SPD) der Ersten Stadtbeigeordneten auf die Resolution des Stadtrates vom 15.07.2020 geantwortet: „Zum Krankenhaus Gerolstein als Standort des Verbundkrankenhauses „Marienkrankenhaus Eifel“ liegen dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums weiterhin keine Anzeigen des Krankenhausträgers über beabsichtigte Änderungen in der Erfüllung des Versorgungsauftrags vor – auch nicht im Hinblick auf eine mögliche Fokussierung auf tageschirurgische Eingriffe. Laut aktuellem Krankenhausplan sind für den Krankenhausstandort sowohl chirurgische als auch intensivmedizinische Betten ausgewiesen. Die Abteilung Gesundheit meines Hauses wird ihr Schreiben und die von Ihnen erwähnte Berichterstattung zum Anlass nehmen, den Krankenhausträger um Erklärung zu bitten, in welcher Form der Versorgungsauftrag zukünftig erfüllt werden soll.“

Die Enttäuschung trifft alle Stadtratsmitglieder ob des Ergebnisses der Schließung der Chirurgie am Gerolsteiner Krankenhaus. Und hinzu kommt die Sorge um den Fortbestand der Inneren Abteilung und den Erhalt des zeitlich unbefristeten Notarztstandortes in Gerolstein. Wie es in der ersten Resolution des Stadtrates zu lesen war, fühlt man sich im Mittelbereich Gerolstein als „Menschen zweiter Klasse“ was die Gesundheitsversorgung angeht. Manch einer gar „als Marionette“ in einem Spiel zwischen Landesregierung und Krankenhausträger.“